16.2.2016 – Stammtisch

Die rechtliche Dimension von Intergeschlechtlichkeit

 

Hintergrund

Die Auseinandersetzung mit den aktuellen Rechtsnormen macht ersichtlich, dass intergeschlechtliche Menschen hinsichtlich ihrer Selbstbestimmung erheblichen Einschränkungen ausgesetzt sind. Die personenstandsrechtliche Praxis führt dazu, dass Kinder mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen innerhalb einer Woche nach der Geburt dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, und das ohne Berücksichtigung ihrer individuellen Geschlechtsidentitätsentwicklung.

Durch die medizinische Gleichsetzung von Intersexualität mit Krankheit werden fremdbestimmte und medizinisch nicht notwendige Maßnahmen zur Geschlechtsnormierung juristisch als Heilbehandlungen gewertet und sind somit rechtlich legitim. Trotz unterschiedlicher gesetzlicher Normen zum Schutz des Selbstbestimmungsrechts sowie der physischen Integrität intersexueller Personen finden die diesbezüglich relevanten Bestimmungen im Zusammenhang mit intergeschlechtlichen Lebensweisen keine Anwendung.

 

Vortragende

Eva Matt und Marija PetricevicEva Matt, Juristin in Wien, Dissertation zum Thema „Intersexualität aus rechtlicher Perspektive“ (2009), Mitbegründerin und stv. Obmensch des Vereins Plattform Intersex Österreich, Mitglied der PIÖ-Arbeitsgruppe Politik & Recht.
Marija Petričević, Juristin in Wien. Ihre Dissertation zum Thema „Rechtsfragen zur Intersexualität“ (2015) wurde mit einem Johanna-Dohnal-Förderpreis prämiert. Mitglied der Arbeitsgruppe Politik & Recht des Vereins Plattform Intersex Österreich.

Vielen Dank an beide Vortragende für ihre informativen Inputs und die anschließende, spannende Diskussion.

 

Nachlese

Präsentation “Die rechtliche Dimension von Intersexualität” (pdf)
Matt/Petričević, Intersex und Recht (pdf)
FRA, The fundamental rights situation of intersx people, FRA FOCUS 04/2015 (pdf)

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